Erlebe die Stadt zwischen Realität, Cartoon und Comic – spannend, kreativ und voller mittelalterlicher Atmosphäre.
Erlebe die Stadt zwischen Realität, Cartoon und Comic – spannend, kreativ und voller mittelalterlicher Atmosphäre.
A B C D E F G H I J K L M N P R S T U W
Ta To Ts

Tschernyschewski Haus

1. Das Logenhaus der Freimaurer (1792 – 1934)

Der Ursprung des Gebäudes liegt in der Geschichte der Freimaurerei.

  • Der Kauf: Im Jahr 1792 erwarb die hallesche Freimaurerloge „Zu den drei Degen“ (gegründet 1765) das Grundstück auf Vorschlag des berühmten Mediziners Johann Christian Reil.

  • Der Prachtbau: In den 1820er Jahren wurde das ursprüngliche Gebäude grundlegend neu errichtet. Da die Loge zeitweise über 500 einflussreiche Mitglieder zählte, wurde der Bau Ende des 19. Jahrhunderts (1888) nochmals durch einen großen Ostflügel im Stil der Neorenaissance erweitert.

  • Das Ende der Loge: Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus wurden die Logen verboten und enteignet.

2. Das Tschernyschewski-Haus (1945 – 1952)

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das unzerstörte Gebäude im Sommer 1945 von der sowjetischen Militäradministration (SMAD) besetzt.

  • Die Namensgebung: Die sowjetischen Kulturoffiziere machten aus dem prachtvollen Logenhaus ein Kulturhaus für die sowjetischen Offiziere und die Bevölkerung.

  • Der Namensgeber: Benannt wurde es nach dem russischen Revolutionär, Publizisten und Philosophen Nikolai Gawrilowitsch Tschernyschewski (1828–1889). Sein Roman „Was tun?“ galt als eines der wichtigsten literarischen Vorbilder für Lenin und die spätere sozialistische Bewegung.

3. Nutzung durch die Universität & Verfall (1952 – 2009)

  • Die Uni-Jahre: Ab 1952 übernahm die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg das Gebäude. Es wurde jahrzehntelang für Vorlesungen, als Mensa, für studentische Kultur, als Austragungsort für Ausstellungen und für Veranstaltungen genutzt. Auch nach der Wende blieb der Name im Sprachgebrauch der Hallenser fest verankert.

  • Der Leerstand: Im Jahr 2001 zog die Universität endgültig aus. Es folgte ein trauriges Kapitel: Fast zehn Jahre stand das Haus leer, verfiel zusehends und wurde Opfer von Vandalismus.

4. Einzug der Leopoldina (Ab 2010)

Die Rettung für das historische Denkmal kam mit einer großen politischen Entscheidung: Die Leopoldina wurde zur Nationalen Akademie der Wissenschaften ernannt und suchte einen repräsentativen Hauptsitz.

  • Die Sanierung: Das Gebäude wurde der Akademie übertragen. Zwischen 2010 und 2012 flossen rund 17 Millionen Euro in eine tiefgreifende, denkmalgerechte Sanierung.

  • Heute: Im Mai 2012 wurde das Haus feierlich eingeweiht. Wo früher Freimaurer tagten, sowjetische Soldaten Kultur erlebten und DDR-Studenten lernten, debattieren heute Spitzenwissenschaftler aus aller Welt. Der geschichtsträchtige Festsaal erstrahlt wieder in altem Glanz.