Das Bohlenzimmer – häufig auch als Bohlenstube bezeichnet – gehört zu den bemerkenswerten historischen Innenräumen in Halle (Saale). Es befindet sich heute im Händel-Haus und vermittelt einen Eindruck vom bürgerlichen Wohnen und Repräsentieren während der Renaissance. Das Zimmer stammt aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und zählt zu den kulturgeschichtlich wertvollen Ausstattungen der Stadt.
Der Name „Bohlenzimmer“ leitet sich von den hölzernen Wandverkleidungen ab. Solche Bohlenstuben dienten wohlhabenden Bürgern als Wohn- und Empfangsräume. Holz sorgte nicht nur für Wärmedämmung, sondern verlieh dem Raum auch eine repräsentative Wirkung. Das Bohlenzimmer im Händel-Haus zeigt eindrucksvoll die handwerkliche Qualität und den Wohlstand der damaligen Zeit.
Besonders bemerkenswert sind die erhaltenen Reste der historischen Farbfassung. Auf insgesamt 23 Rundbogenfeldern befindet sich ein Bilderzyklus mit Darstellungen aus der Bibel. Diese Bemalungen verbinden religiöse Inhalte mit dekorativer Kunst und machen den Raum zu einem seltenen Zeugnis bürgerlicher Renaissancekultur in Mitteldeutschland.
Das Bohlenzimmer befindet sich im heutigen Händel-Haus, dem Geburtshaus des Komponisten Georg Friedrich Händel. Das Museum bewahrt nicht nur die Erinnerung an Händel, sondern auch bedeutende historische Räume und Sammlungen. Besucher erreichen die Bohlenstube über die Ausstellungsräume des Museums. Ein besonderer Bestandteil des Raumes ist zudem der Klang einer historischen Orgel aus dem Jahr 1840.
Heute wird das Bohlenzimmer nicht nur museal genutzt. Wegen seines historischen Ambientes dient es gelegentlich auch als Ort für besondere Veranstaltungen und standesamtliche Trauungen. Damit verbindet der Raum die Geschichte der hallischen Bürgerkultur mit einer lebendigen Nutzung in der Gegenwart.