Erlebe die Stadt zwischen Realität, Cartoon und Comic – spannend, kreativ und voller mittelalterlicher Atmosphäre.
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Gedanken zum Salinestreit mit der Stadt

Die Geschichte ist nicht die Rivalin anderer Wissenschaften, sondern das Haus, in dem sie alle wohnen.
Thomas Macaulay, 1. Baron Macaulay (1800–1859), Thomas Babington Macaulay, englischer liberaler Politiker und Historiker.

Jede Stadt, die etwas Besonderes zu bieten hat, macht dies in ihrem Namen und/oder ihren Informationen deutlich. Schließlich möchte man Touristen anlocken. Das versucht natürlich auch Halle, allerdings mit seltsamem Gebaren. Halle ist eine Salz- und Hansestadt, wird aber nach einem berühmten Musiker benannt, der sein Lebenswerk in einem anderen Land schuf. Ob er dabei an Halle dachte, ist unklar.

Irgendwann trat Halle der Neuen Hanse bei und legte damals den Fokus auf das immaterielle Kulturerbe der Bundesrepublik und des Landes Sachsen-Anhalt. Das waren die ehemaligen Salzarbeiter, das frühere Hallvolk, die heutigen Halloren. Immerhin waren sie ihrer Heimatstadt immer treu, solange es Salz auf dem Hallmarkt und später auf der Saline gab. Sie gründeten im 15. Jahrhundert die älteste Brüderschaft Deutschlands und halfen ihrer Stadt, wo sie nur konnten. Sei es, indem sie ein Drittel der Stadtmauer schützten, oder heutzutage beim Bundespräsidenten zu dessen Amtseinführung, wo sie traditionell erscheinen. Dass Halle Mitglied der Neuen Hanse war, vergaß man nach dem Eintritt für sieben Jahre. Jetzt „vergisst” man im Namen des Salinemuseums die Halloren. Während das eine blankes Vergessen seiner (Hanse-)Geschichte war, ist das andere ein immaterielles Kulturerbe der Bundesrepublik und des Landes Sachsen-Anhalt, das der Ökonomie zum Opfer fallen soll. Allerdings scheint damit auch der Fokus auf die Bedeutung der Halloren langsam aber sicher verloren zu gehen.

Von den Halloren bleibt ein kleiner Untertitel im zukünftigen Salinemuseum übrig. Er soll „eindrucksvoll“ auf die Halloren hinweisen. Da wird eine 50-jährige Geschichte mehr oder weniger kleingeschrieben oder kleingeredet – zulasten der Halloren, die ihrer Stadt mit Schweiß und viel Kraft treu waren.

Der zukünftige Name soll laut einer Kulturabgeordneten prägnant und schlagwortartig sein. Ein kulturinteressierter Tourist muss aus dem kurzen Namen „Salinemuseum” die Historie eines Industriedenkmals und die Geschichte der Halloren herauslesen können. Wohl dem, der es weiß, nachdem er die vielen Salinemuseen in Mitteldeutschland besucht hat. So wird aus der Salz- und Hansestadt und dem 50-jährigen Saline- und Hallorenmuseum eine Stadt mit einem schlichten Allerweltssalinemuseum. Hier wird die Geschichte gleich mit verkürzt.

Händel bekommt mehr Ehrung. Es scheint eine Art rote Linie zu sein, dieses Vergessen und Ignorieren: das abgerissene historische Haus in der Brüderstraße oder das Lexikon über Halle, das schlichtweg abgelehnt wurde, ohne Begründung.

Mit Begründungen hat Halles Stadtrat es nicht so. Der Name wurde, so scheint es, im stillen Kämmerlein bei einem nicht vollständigen Frühstück geboren. Immerhin haben die Halloren von diesem Affront erfahren, ohne einbezogen zu werden. Halle schreibt Geschichte, und ich gebe mir die Kugel. Ach ja, der Name „Hallore” steht kleingedruckt auf der Pralinenschachtel der früheren „Hallorenkugeln”. Den könnte man auch weglassen und auf der Rückseite unter dem kleingedruckten schreiben. Das hat doch auch etwas von kurz und prägnant, oder?

In der Schule der Geschichte gibt es keinen Nachhilfeunterricht.
© Peter E. Schumacher (1941–2013), Aphorismensammler und Publizist