Eine Chance zu haben heißt, sie auch zu nutzen, eine Chance zu nutzen heißt, sie auch zu haben. Kühn-Görg, Monika
Halle ist eine Stadt, die Chancen hatte und sie nicht so recht nutzte. Das liegt an den verschiedenen Anschauungen der Parteien und an der Wahrnehmung von Chancen. Ein Beispiel ist der Internationale Hansetag, wo Halle nominiert war und in letzter Minute vom damaligen Bürgermeister zurückgepfiffen wurde. Grund war ungenügende Kommunikation und ein Missverständnis, weil man sich mit der Materie nur ungenügend beschäftigt hatte.
Doch nun ist die Chance wieder da. 2034 ist Halle vorgeschlagen für den 34. Hansetag. Wir haben also Stunde null mit einer herausragenden Geschichte, den Halloren als immatrikuläres Kulturerbe und eingetragenen Vereinen, die schon lange für diese Chance kämpften und so manches Mal enttäuscht wurden, von der mangelnden Kenntnis der Stadtoberen, die sich in anderen Kämpfen oft genug aufbrauchten oder von großartigen Versprechen. Neun Jahre bis zum Internationalen Hansetag klingt unheimlich viel, ist aber Zeit genug für die Vorbereitung. Hanse bedeutet nicht nur Vergangenheit sondern auch Zukunft. In Zeiten der Verunsicherung ist Zukunft ein Stückchen Hoffnung.
200 Jahre war Halle in der Hanse und ein bedeutender Standort im Binnenland, denn der Transport des Salzes musste organisiert und beschützt werden. Das erkannte sogar der Bischof, der die Hanse als persönlicher Gegner erkannte, der seine Pfründe schmälerte. So verbot er den Hallensern kurzerhand 1491. Nun ist die Hanse lange her und hat ihre damalige Beschützerrolle verloren, nicht aber den Gedanken des friedvollen Handels. Nicht umsonst trat Halle der Hanse wieder 2001 bei und wieder vergaß man es dann schlicht und verpasste eine kulturelle Chance. Da gibt es ja die Salzwirkerbrüderschaft mit ihrer Geschichte. Man sollte aber nicht vergessen, das vor ihnen die Hanse wirkte, die ein Vorbild und Grundgedanke der Integration von heute und in der EU verankert ist. 2028 entsteht dann in Halle das Zukunftszentrum, das auch das kulturelle Gewicht des Ostens hervorheben will.
Dazu gehört der Sächsische Hansebund, der die Bedeutung des Binnenlands hervorhebt und als dessen Ausgangspunkt das Zukunftszentrum dienen könnte, ähnlich der Straße der Romanik, die inzwischen heute jeder kennt. Der sächsische Hansebund wurde in Halle durch Dagmar Szabados als Mitglied der Hansegilde 2012 gegründet und ist seitdem wieder ein wenig in Vergessenheit geraten. Eine weitere Chance schläft den Schlaf der Gerechten. Laut Satzung des sächsischen Hansebundes ist der Oberbürgermeister von Halle auch noch der Vormann (Vorsitzebde) des Bundes ist. Ein Umstand, der nur den wenigsten bekannt sein dürfte, einschließlich des Bürgermeisters. Solch einen Internationalen Hansetag kann ein Verein allein nicht bewerkstelligen, es ist Aufgabe der Stadt und des Marketings. Doch es würde arrogant sein, die vorhandenen Möglichkeiten, die einige Vereine gesammelt und geschaffen haben, nicht einzubeziehen. Da ist der Hanseverein mit der Hanse-Youth und Verbindungen nach Polen und England, die Alte Salzstraße mit Vorträgen über Transport und Handel und seine Verbindungen bis nach Prag und freundschaftlichen Beziehungen nach Lößnitz und dem neuesten Mitglied Bad Dürrenberg. Da kann man auch den Salzstadtclan nennen, der mit einem Lexikon über Halle, mittelalterlichen Geschichten die Bedeutung der Salzstadt im Salzwinkel, einem Infogang in Lettin, vorstellt und ein großes Archiv über die Aktivitäten der drei genannten Verein hat. Da ist dann auch die Salzwirkerbrüderschaft, die gut beraten ist mit den anderen Vereinen Gemeinsamkeiten zu finden.
So begann die Stunde Null der Vorbereitung zum Hansetag in einer Gesprächsrunde am Mittwoch (21.07) mit einem bekannten Grafiker und Designer und Mitgliedern der drei Vereine. Es ist also ein kleines Rädchen für den Internationalen Hansetag in Gang gebracht worden und man trifft sich Ende August wieder.
Henning Vorscherau, Altbürgermeister der Freien- und Hansestadt Hamburg formulierte 2012: Bürgerstolz, faire Wahrung des gegenseitigen Vorteils, Austausch von Waren, Ideen und Kultur, Zusammenarbeit und Respektieren über Grenzen hinweg, Verständnisse für den andren zu lernen, dieses hansische Denken hat sich die Bahn gebrochen.
Bleibt die Hoffnung, das sich alle potentiellen Parteien darüber bewusst sind. Das ist die Chance, die es zu Nutzen gilt, als Straße der modernen Hanse mit ihren Möglichkeiten und natürlich auch ihren Traditionen.